Zimt steht für Wärme, Gemütlichkeit und Genuss – besonders in der kalten Jahreszeit. Doch kaum jemand weiß, dass in bestimmten Zimtsorten ein Stoff steckt, der bei zu hoher Aufnahme gesundheitlich problematisch sein kann: Cumarin. Dieser natürliche Aromastoff sorgt für das typische zimtige Aroma – steht aber auch im Verdacht, bei empfindlichen Menschen leberschädigend zu wirken.
In diesem Beitrag erfährst du, worum es sich genau handelt, wo es vorkommt, warum es kritisch gesehen wird – und wie du es ganz einfach vermeiden kannst, ohne auf den Zimtgeschmack verzichten zu müssen.
🌿 Was ist Cumarin?
Es handelt sich um einen natürlich vorkommender Duft- und Aromastoff, der in verschiedenen Pflanzen enthalten ist – darunter Zimt, Tonkabohnen, Waldmeister oder Süßklee. In der Natur erfüllt der Stoff vor allem eine Schutzfunktion: Es soll Fressfeinde abschrecken. Für uns Menschen riecht es dagegen angenehm süßlich – leicht nach Vanille, Zimt und Heu.
In Lebensmitteln wird Cumarin nicht als Zusatzstoff zugesetzt, sondern ist als natürlicher Inhaltsstoff in bestimmten pflanzlichen Zutaten enthalten – vor allem im sogenannten Cassia-Zimt.

🍽️ Wo steckt Cumarin drin?
Der Stoff kommt in folgenden Lebensmitteln (teils in relevanten Mengen) vor:
- Cassia-Zimt (gewöhnlicher Supermarkt-Zimt): Cassia-Zimt ist die günstige und weit verbreitete Zimtsorte, die du in vielen Backzutaten, Supermarkt-Gewürzmischungen oder Fertigprodukten findest. Im Gegensatz zum hochwertigen Ceylon-Zimt enthält Cassia-Zimt deutlich höhere Mengen Cumarin – bis zu 3000 mg pro Kilogramm. Wer regelmäßig damit würzt oder bäckt, kann schnell die empfohlene Tagesdosis überschreiten – ohne es zu merken.
- Zimtgebäck, Zimtsterne, Spekulatius, Milchreis mit Zimt: Gerade in der Weihnachtszeit sind diese Klassiker beliebt – und enthalten oft große Mengen an Cassia-Zimt. Besonders Zimtsterne und Spekulatius können wegen des hohen Zimtanteils zum Cumarin-Klassiker werden. Auch Fertig-Milchreis oder Zimtgrießbrei für Kinder enthalten häufig keine Angabe zur Zimtart – hier lohnt sich ein genauer Blick auf die Verpackung.
- Zimthaltige Müslis oder Frühstücksflocken: Auch in vermeintlich „gesunden“ Produkten wie Knuspermüslis, Zimt-Cerealien oder Frühstücksbreien steckt häufig Cassia-Zimt – oft gut versteckt unter Bezeichnungen wie „Zimtpulver“, ohne Angabe der Herkunft.
- Liköre oder Spirituosen mit Waldmeister- oder Tonka-Aroma: Getränke wie Waldmeisterlikör, Kräuterlikör, Eierpunsch oder Winter-Glühwein können Cumarin enthalten, wenn sie mit Waldmeister oder Tonkabohne aromatisiert wurden. Bei Spirituosen ist keine detaillierte Deklaration nötig – der Gehalt ist deshalb schwer einzuschätzen.
- Tonkabohnen in Gourmet-Desserts oder Schokolade: Tonkabohnen gelten als „edle Vanille-Alternative“ und werden vor allem in der gehobenen Gastronomie, in Dessertkreationen oder ausgefallener Schokolade eingesetzt. Doch sie enthalten besonders viel von dem Stoff – teils über 10.000 mg/kg. Ein einzelnes Tonkabohnen-Dessert kann also bereits die empfohlene Tagesdosis überschreiten, insbesondere bei Kindern oder empfindlichen Personen.

⚠️ Warum ist Cumarin problematisch?
In kleinen Mengen gilt der Stoff als unbedenklich – doch bei regelmäßigem oder übermäßigem Verzehr können gesundheitliche Risiken entstehen:
1. Leberschädigung
Studien zeigen, dass Cumarin bei empfindlichen Personen die Leberfunktion beeinträchtigen kann. In Tierversuchen kam es bei hohen Dosen zu Leberentzündungen und Zellschäden. Auch beim Menschen sind vereinzelt Fälle von cumarinbedingter Lebertoxizität dokumentiert.
2. Besonders kritisch für Kinder
Kinder nehmen durch ihre geringere Körpermasse pro Kilogramm Körpergewicht mehr Cumarin auf. Zimtsterne, Milchreis oder Kinderbreie mit viel Zimt können – gerade in der Weihnachtszeit – schnell zur Belastung werden. Deshalb hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Empfehlungen zur Höchstaufnahme ausgesprochen.
3. Kumulativer Effekt
Da der Stoff in vielen Lebensmitteln vorkommen kann, summiert sich die Aufnahme über den Tag hinweg – oft unbemerkt. Auch Naturkosmetik oder Aromaöle mit Waldmeister oder Tonka enthalten Cumarin, das über die Haut aufgenommen werden kann.

🔍 Wie viel ist unbedenklich?
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat einen Richtwert festgelegt:
Tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI): 0,1 mg Cumarin pro kg Körpergewicht.
Für ein Kind mit 20 kg Körpergewicht bedeutet das: maximal 2 mg pro Tag – was schon durch 2–3 Zimtsterne mit Cassia-Zimt überschritten werden kann.
✅ Wie kannst du Cumarin vermeiden – oder reduzieren?
Cumarin ist kennzeichnungspflichtig, wenn es aus Zutaten wie Tonkabohne oder Waldmeister stammt. In Zimtgebäck ist es oft nicht einzeln aufgeführt, deshalb hilft nur ein genauer Blick auf die Zutatenliste oder ein bewusster Einkauf:
- Achte auf „Ceylon-Zimt“ statt Cassia-Zimt – z. B. in Bio-Produkten
- Kaufe hochwertige Gewürze mit Herkunftsangabe
- Verwende bei selbstgemachten Speisen echten Ceylon-Zimt
- Iss zimthaltige Produkte in Maßen, besonders bei Kindern
- Vermeide Produkte mit Tonkabohne oder Waldmeisteraroma, wenn du empfindlich reagierst
🎯 Fazit: Zimt ja – aber mit Maß und Herkunftsbewusstsein
Es ist ein natürlicher Stoff – doch natürlich heißt nicht automatisch unbedenklich. Wer regelmäßig zimthaltige Produkte konsumiert, sollte auf die Zimtart achten und den Konsum nicht übertreiben. Besonders bei Kindern lohnt sich ein bewusster Umgang – denn Geschmack braucht keine Risiken.
Bei bleibwacker wird auf ehrliche Zutaten ohne versteckte Risiken gesetzt. Wenn Zimt, dann Ceylon – und natürlich ganz ohne Zusatzstoffe.

Quellen:
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (2012): Neue Erkenntnisse zu Cumarin in Zimt. Stellungnahme Nr. 036/2012 vom 27. September 2012. URL: https://www.bfr.bund.de/cm/343/neue-erkenntnisse-zu-cumarin-in-zimt.pdf [Zugriff: 17.06.2025].
Pharmazeutische Zeitung (2009): Cumarine in pflanzlichen Arzneimitteln. Ausgabe 07/2009. URL: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-072009/cumarine-in-pflanzlichen-arzneimitteln/ [Zugriff: 17.06.2025].
EFSA (European Food Safety Authority) (2008): Coumarin in flavourings and other food ingredients with flavouring properties. EFSA Journal 6(10):793. URL: https://www.efsa.europa.eu/en/efsajournal/pub/793 [Zugriff: 17.06.2025].