Glycyrrhizin Konfekt

Warum zu viel Lakritz problematisch sein kann

Lakritz polarisiert. Die einen lieben es, die anderen können damit nichts anfangen. Was viele jedoch nicht wissen: Der typische Lakritzgeschmack stammt von einem natürlichen Inhaltsstoff namens Glycyrrhizin. Und genau dieser Stoff ist der Grund, warum Lakritz nicht unbegrenzt verzehrt werden sollte.

Doch was ist Glycyrrhizin eigentlich, warum steckt es in Lakritz und welche Auswirkungen kann es auf den Körper haben?

Was ist Glycyrrhizin?

Es handelt sich um einen natürlichen Pflanzenstoff, der aus der Süßholzwurzel gewonnen wird. Süßholz ist die Grundzutat von Lakritz und verleiht ihm seine charakteristische Süße. Glycyrrhizin ist dabei etwa 30 bis 50 Mal süßer als Haushaltszucker, liefert aber keinen klassischen Zucker.

Chemisch betrachtet gehört Glycyrrhizin zu den sogenannten Saponinen. Es wirkt nicht nur geschmacksgebend, sondern auch biologisch aktiv im Körper.

Warum steckt Glycyrrhizin in Lakritz?

Ohne Glycyrrhizin wäre Lakritz kein Lakritz. Der Stoff ist essenziell für Geschmack, Aroma und Mundgefühl. Je nach Sorte und Herstellungsart kann der Glycyrrhizingehalt stark variieren. Besonders kräftige, salzige oder sogenannte Erwachsenen Lakritze enthalten häufig höhere Mengen (BDSI, o.J).

Der Gehalt ist gesetzlich geregelt, dennoch kann er bei regelmäßigem Verzehr relevant werden.

Wie wirkt der Stoff im Körper?

Glycyrrhizin beeinflusst den Mineralstoffhaushalt im Körper. Es kann dazu führen, dass Natrium im Körper zurückgehalten und Kalium vermehrt ausgeschieden wird (BfR, o.J). Dadurch kann sich der Flüssigkeitshaushalt verschieben.

Mögliche Auswirkungen bei hohem oder regelmäßigem Verzehr sind:

  • Erhöhter Blutdruck (Biermann Medizin (2024)
  • Wassereinlagerungen (Bayerisches Landesinstitut für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, 2018)
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschwäche durch Kaliummangel (BfR, o.J)
  • Herzrhythmusstörungen bei empfindlichen Personen

Besonders problematisch ist der Stoff für Menschen mit Bluthochdruck, Herz Kreislauf Erkrankungen, Nierenerkrankungen oder während der Schwangerschaft (BfR, 2023; Biermann Medizin, 2024).

Unterschiedliche Lakritzarten

Lakritz ist nicht gleich Lakritz. Der Gehalt an Glycyrrhizin kann je nach Sorte und Verarbeitung deutlich variieren. Süße Lakritze enthält häufig weniger davon als salzige Lakritze, da der intensive Geschmack bei salzigen Varianten oft durch einen höheren Anteil an Süßholzextrakt entsteht. Besonders sogenannte Erwachsenenlakritze ist für ihren kräftigen Geschmack bekannt und enthält in vielen Fällen höhere Glycyrrhizinmengen.

Auch die Konsistenz spielt eine Rolle. Harte Lakritze wird meist langsamer gegessen, kann aber durch ihre Konzentration an Extrakt dennoch relevante Mengen liefern. Weiche Lakritze lässt sich leichter in größeren Mengen verzehren, was die aufgenommene Menge unbemerkt erhöhen kann. Zusätzlich gibt es Unterschiede zwischen klassischer Lakritz, Lakritzkonfekt und Lakritzbonbons. Während klassische Lakritz einen hohen Anteil an Süßholz enthält, bestehen Lakritzbonbons oft aus Zucker, Aromen und nur kleinen Mengen Süßholzextrakt. Lakritzkonfekt liegt meist dazwischen.

Für den Alltag bedeutet das: Nicht nur die Menge, sondern auch die Art der Lakritze entscheidet darüber, wie viel Glycyrrhizin tatsächlich aufgenommen wird.

Wie viel Lakritz ist unbedenklich?

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit gibt eine maximale tägliche Aufnahmemenge an. Diese entspricht etwa 100 Milligramm Glycyrrhizin pro Tag für Erwachsene. Je nach Produkt kann diese Menge bereits mit kleinen Portionen Lakritz erreicht werden.

Problematisch wird es vor allem dann, wenn Lakritz regelmäßig und über längere Zeit in größeren Mengen gegessen wird. Gelegentlicher Konsum ist für gesunde Erwachsene in der Regel unproblematisch.

Kinder und Lakritz

Lakritz ist kein typisches Kinderlebensmittel und sollte von Kindern nur sehr zurückhaltend gegessen werden. Kinder reagieren deutlich empfindlicher auf den Stoff als Erwachsene, da ihr Körpergewicht geringer ist und sich die aufgenommene Menge schneller auswirkt. Schon kleine Portionen können bei regelmäßigem Verzehr den Mineralstoffhaushalt beeinflussen und unerwünschte Effekte begünstigen.

Zudem enthält Lakritz häufig viel Zucker oder Salz und bietet keinen ernährungsphysiologischen Mehrwert für Kinder. Aus diesem Grund raten viele Fachstellen davon ab, Lakritz regelmäßig in den Speiseplan von Kindern aufzunehmen. Besonders salzige Lakritze und Produkte mit intensivem Lakritzgeschmack sind für Kinder ungeeignet und sollten möglichst vermieden werden.

Kennzeichnungspflicht bei Lakritz

Lebensmittel mit einem erhöhten Glycyrrhizingehalt müssen gekennzeichnet werden. Auf der Verpackung findet sich dann der Hinweis:
„Enthält Lakritz. Bei hohem Blutdruck sollte ein übermäßiger Verzehr vermieden werden.“

Dieser Hinweis ist wichtig und sollte ernst genommen werden, wird aber im Alltag oft überlesen.

Gibt es Lakritz ohne Glycyrrhizin?

Klassisches Lakritz enthält immer Glycyrrhizin, da es aus Süßholz hergestellt wird. Es gibt jedoch sogenannte glycyrrhizinfreie Lakritze, bei denen der Süßholzextrakt stark reduziert oder durch Aromen ersetzt wurde. Geschmacklich unterscheiden sich diese Produkte deutlich vom Original.

Fazit: Lakritz bewusst genießen

Glycyrrhizin ist ein natürlicher Bestandteil der Süßholzwurzel und damit auch von Lakritz. Natürlich bedeutet jedoch nicht automatisch unbedenklich. In größeren Mengen kann der Stoff den Körper belasten und gesundheitliche Beschwerden verursachen.

Lakritz ist kein Lebensmittel für den täglichen, unkritischen Konsum, sondern eher ein Genussmittel. Wer bewusst isst, Zutatenlisten liest und Maß hält, kann Lakritz weiterhin genießen, ohne seinem Körper zu schaden. Wie so oft gilt auch hier: Die Menge macht den Unterschied.

FAQs:

Ist Lakritz wirklich gesund?

Lakritz enthält Glycyrrhizin. Dieser Stoff kann bei zu hohem Verzehr den Blutdruck erhöhen und den Mineralstoffhaushalt stören.

Welche Nebenwirkungen hat Glycyrrhizin?

Es kann bei hohem oder regelmäßigem Verzehr den Blutdruck erhöhen, Wassereinlagerungen verursachen und zu einem Kaliummangel führen. In der Folge können Kopfschmerzen, Muskelschwäche und Herzrhythmusstörungen auftreten.

Kann Lakritz zu Bluthochdruck führen?

Ja, Lakritz kann zu Bluthochdruck führen, da Glycyrrhizin den Natrium Kalium Haushalt im Körper beeinflusst.

Ist Salmiak Lakritz gesund?

Salmiak Lakritz enthält zusätzlich zu Glycyrrhizin auch Ammoniumchlorid. Ammoniumchlorid kann bei übermäßigem Verzehr unter anderem zu Übelkeit und Erbrechen führen.

Quellen:

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (2018): Glycyrrhizin-Gehalte in Lakritzerzeugnissen Untersuchungsergebnisse 2017 und 2018. Verfügbar unter: https://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/chemie/inhaltsstoffe/pflanzeninhaltsstoffe/ue_2017_2018_glycyrrhizin_in_lakritz.htm (abgerufen am 09.01.2026)

BfR Bundesinstitut für Risikobewertung (o.J): Gesundheitliche Bewertung von Lakritze. Verfügbar unter https://www.bfr.bund.de/lebensmittel-und-futtermittelsicherheit/gesundheitliche-risikobewertung-spezieller-lebensmittelgruppen/ausgewaehlte-lebensmittel/gesundheitliche-bewertung-von-lakritze/ (abgerufen am 26.01.2026)

BfR Bundesinstitut für Risikobewertung (2023): Beeinträchtigt der Lakritzverkehr von Schwangeren die geistige und körperliche Entwicklung von Kindern? Verfügbar unter https://www.bfr.bund.de/cm/343/beeintraechtigt-der-lakritzverzehr-von-schwangeren-die-geistige-und-koerperliche-entwicklung-von-kindern.pdf (abgerufen am 26.01.2026).

Biermann Medizin (2024): Schon kleine Mengen Lakritze können den Blutdruck erhöhen. Verfügbar unter https://biermann-medizin.de/schon-kleine-mengen-lakritze-koennen-den-blutdruck-erhoehen/ (Abgerufen am 26.01.2026).

BDSI (Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e.V.) (o.J.): Lakritzwaren. Verfügbar unter https://www.bdsi.de/warenkunde/bonbons-und-zuckerwaren/lakritzwaren (abgerufen am 26.01.2026).

Bildquellen:

Konfekt mit Lakritz: Pixabay, Annillart, #4306044
Lakritzschnecken: Pixabay, nataliaaggiato, #473792
Lakritzschnecken auf schwarzem Hintergrund: Pixabay, cohlwein, #3360190
Grelles Konfekt: Pixabay, PublicDomainImages, #387028

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Mit akademischen Hintergrund und umfangreicher Erfahrung im wissenschaftlichen Arbeiten bringe ich eine analytische Denkweise und eine Leidenschaft für gründliche Recherche mit. Mein Ziel ist es, präzise und verständliche Informationen über Zusatzstoffe und ihre Auswirkungen auf unsere Ernährung bereitzustellen. So möchte ich dazu beitragen, dass unsere Leser fundierte Entscheidungen treffen und ein tieferes Verständnis für die Inhaltsstoffe ihrer Lebensmittel entwickeln.

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