Biphenyl klingt nach einem typischen chemischen Fachbegriff. Tatsächlich handelt es sich um einen Stoff, der über viele Jahre hinweg in der Lebensmittelbranche eingesetzt wurde. Genauer gesagt als Konservierungsmittel mit der Nummer E230. Heute ist Biphenyl in der Europäischen Union nicht mehr als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen (Merkur.de, 2024).

Doch was genau ist Biphenyl? Wie wurde es hergestellt? Wo kam es zum Einsatz? Und warum wurde es schließlich verboten? Hier findest du alle wichtigen Informationen.

Was ist Biphenyl?

Biphenyl ist eine organische chemische Verbindung, die aus zwei miteinander verbundenen Benzolringen besteht. Chemisch gehört es zu den aromatischen Kohlenwasserstoffen (Lebensmittellexikon, o. J.). In reiner Form ist Biphenyl ein farbloser bis weißlicher kristalliner Feststoff mit charakteristischem Geruch. Als Lebensmittelzusatzstoff trug es die Bezeichnung E230 und wurde als Konservierungsmittel eingesetzt. Seine Hauptfunktion bestand darin, Schimmelpilze und bestimmte Bakterien am Wachstum zu hindern.

Wie wird Biphenyl hergestellt?

Das Konservierungsmittel wird industriell durch chemische Verfahren gewonnen. Ein gängiger Herstellungsweg ist die sogenannte Kupplungsreaktion von Benzol unter hohen Temperaturen. Dabei entstehen aus einfachen aromatischen Verbindungen komplexere Strukturen.

In der chemischen Industrie fällt Biphenyl außerdem als Nebenprodukt bei bestimmten Prozessen an, etwa bei der Herstellung anderer aromatischer Verbindungen oder bei der Verarbeitung von Erdöl.

Für den Einsatz als Konservierungsmittel wurde der Stoff anschließend gereinigt und in geeigneter Form aufbereitet.

Wo wurde Biphenyl eingesetzt?

Biphenyl kam bereits in der Mitte des 20. Jahrhunderts in der Lebensmittelbranche zum Einsatz. Vor allem ab den 1950er und 1960er Jahren wurde der Stoff zur Behandlung von Zitrusfrüchten genutzt (FiBL, 2017). In dieser Zeit nahm der internationale Handel stark zu. Früchte wurden über weite Strecken transportiert und sollten möglichst lange haltbar bleiben (FiBL, 2017). Biphenyl galt damals als wirksame Lösung gegen Schimmelbildung während Lagerung und Transport.

Der Stoff wurde nicht direkt in das Fruchtfleisch eingebracht, sondern auf die Schale aufgetragen. Da Zitrusfrüchte häufig über lange Strecken transportiert werden und eine relativ empfindliche Schale besitzen, galt Biphenyl lange als wirksame Schutzmaßnahme.

Wichtig zu wissen ist jedoch, dass Rückstände von der Schale auf die Hände oder in das Fruchtfleisch gelangen können, besonders wenn die Früchte angeschnitten oder ausgepresst werden.

Biphenyl

Wie wirkt Biphenyl im Körper?

Biphenyl wird nach Aufnahme über den Verdauungstrakt im Körper verstoffwechselt, vor allem in der Leber. Dort wird es in verschiedene Abbauprodukte umgewandelt und über den Urin ausgeschieden.

In Tierversuchen zeigte sich jedoch, dass höhere Mengen von Biphenyl zu gesundheitlichen Problemen führen können. Beobachtet wurden unter anderem:

  • Veränderungen an Leber und Nieren (Merkur.de, 2024)
  • Reizungen von Haut und Schleimhäuten
  • Die krebserzeugende Wirkung konnte beim Menschen nicht eindeutig nachgewiesen werden, in Laborstudien wurden jedoch genotoxische Veränderungen beobachtet  (Pubmed, 2008)

Die krebserzeugende Wirkung konnte beim Menschen nicht eindeutig nachgewiesen werden, dennoch bestanden erhebliche Bedenken hinsichtlich der langfristigen Sicherheit.

Auch das Einatmen von Biphenyl Dämpfen kann die Atemwege reizen. In der Industrie gelten daher entsprechende Arbeitsschutzmaßnahmen.

Warum wurde Biphenyl verboten?

Die Zulassung von Lebensmittelzusatzstoffen basiert auf dem Prinzip der gesundheitlichen Unbedenklichkeit. Sobald ernsthafte Zweifel an der Sicherheit eines Stoffes bestehen oder bessere Alternativen verfügbar sind, kann eine Neubewertung erfolgen.

Bei Biphenyl führten mehrere Faktoren zur Neubewertung:

  1. Zweifel an der langfristigen Sicherheit
  2. Hinweise aus Tierversuchen auf mögliche gesundheitliche Risiken (BfR, 2018)
  3. Die Tatsache, dass die Substanz nicht zwingend notwendig war
  4. Verfügbarkeit alternativer Verfahren zur Haltbarmachung

Im Zuge strengerer europäischer Vorschriften für Lebensmittelzusatzstoffe wurde im Jahr 2006 die Verwendung nicht mehr zugelassen. Der Schutz der Verbraucher hatte Vorrang.

Biphenyl

In welchen Ländern ist Biphenyl verboten?

In der Europäischen Union ist Biphenyl heute nicht mehr als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. Es darf also nicht mehr zur Behandlung von Zitrusfrüchten eingesetzt werden.

Auch in vielen anderen Industrieländern wurde die Verwendung als Konservierungsmittel stark eingeschränkt oder eingestellt.

In manchen Ländern außerhalb der EU können andere Regelungen gelten. Allerdings haben sich die internationalen Standards in den letzten Jahrzehnten deutlich verschärft. Der Trend geht klar in Richtung strengerer Kontrollen und höherer Sicherheitsanforderungen.

Was bedeutet das für Verbraucher?

Die gute Nachricht zuerst: Biphenyl spielt heute im europäischen Lebensmittelmarkt keine Rolle mehr. Doch die grundsätzliche Frage bleibt aktuell. Wie schützt man empfindliche Früchte auf langen Transportwegen, ohne problematische Stoffe einzusetzen?

Welche Alternativen gibt es heute?

Heute setzt man auf eine Kombination aus moderner Logistik und anderen zugelassenen Wirkstoffen, um Zitrusfrüchte haltbarer zu machen. Dazu gehören:

  • Strenge Kühlketten vom Anbau bis in den Handel
  • Kontrollierte Lagerbedingungen mit angepasster Luftfeuchtigkeit
  • Mechanische Sortierung, damit beschädigte Früchte früh aussortiert werden
  • Überzüge mit Wachsen, die die Schale vor Austrocknung schützen

In der konventionellen Landwirtschaft sind außerdem weiterhin bestimmte Wirkstoffe zur Oberflächenbehandlung erlaubt. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Imazalil, ein Fungizid gegen Schimmelpilze (Verbraucherzentrale, 2025)
  • Thiabendazol E233 (VerbraucherService Bayern, 2018)
  • Orthophenylphenol E231 (Verbraucherzentrale, 2025)

Diese Stoffe dürfen nur innerhalb festgelegter Höchstmengen eingesetzt werden. Rückstände werden regelmäßig kontrolliert. Die Zulassungsverfahren sind heute deutlich umfangreicher und wissenschaftlich anspruchsvoller als noch vor einigen Jahrzehnten.

Trotzdem zeigt sich: Auch wenn Biphenyl verschwunden ist, werden Zitrusfrüchte im konventionellen Handel häufig weiterhin behandelt, vor allem wenn sie lange Transportwege hinter sich haben (help.ORF, 2016)

Biphenyl

Praktischer Verbraucher Tipp

Auch wenn Biphenyl heute in der EU nicht mehr eingesetzt wird, gilt grundsätzlich: Die Schale von Zitrusfrüchten ist empfindlich und wird im konventionellen Anbau häufig behandelt, um sie haltbarer zu machen.

Deshalb empfiehlt es sich, Zitrusfrüchte vor dem Verzehr oder vor dem Auspressen gründlich mit warmem Wasser abzuwaschen. Das kann mögliche Rückstände auf der Oberfläche zumindest teilweise entfernen. Besonders wichtig ist das, wenn die Früchte ausgepresst werden und dabei Saft über die Schale läuft.

Wer die Schale verwenden möchte, etwa zum Backen oder für Abrieb, sollte nur Früchte wählen, die ausdrücklich als unbehandelt gekennzeichnet sind oder bei denen angegeben ist, dass die Schale zum Verzehr geeignet ist. Fehlt dieser Hinweis, ist davon auszugehen, dass die Oberfläche behandelt wurde.

Fazit

Biphenyl E230 war über viele Jahre hinweg ein gebräuchliches Konservierungsmittel zur Behandlung von Zitrusfrüchten. Seine Aufgabe war der Schutz vor Schimmel während Transport und Lagerung.

Aufgrund gesundheitlicher Bedenken und neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse wurde der Stoff in der Europäischen Union schließlich nicht mehr zugelassen. Heute darf er hier nicht mehr als Lebensmittelzusatzstoff eingesetzt werden.

Das Beispiel zeigt, wie dynamisch die Bewertung von Zusatzstoffen ist. Wissenschaft entwickelt sich weiter, Regelungen werden angepasst und der Verbraucherschutz steht im Mittelpunkt.

Wer sich mit Zusatzstoffen beschäftigt, erkennt schnell: Hinter jeder E Nummer steckt eine Geschichte. Manche enden mit einem dauerhaften Einsatz, andere mit einem Verbot. Biphenyl gehört zur zweiten Kategorie.

Titelbild Orangen: Pixabay, debannja, #8287967
Orangen aufgeschnitten: Pixabay, LoggaWiggler, #15046
Grapefruits: Pixabay, OrnaW, #3928894
Mandarinen: Pixabay, dkatana, #4038617
Mandarinen Stücke: Pixabay, _Alicja_, 3913446

Quellen:

Merkur.de (2024): Eiliger Tee-Rückruf wegen Pestiziden – Konsum kann Brechreiz verursachen. Verfügbar unter: https://www.merkur.de/verbraucher/eiliger-tee-rueckruf-wegen-pestiziden-konsum-kann-brechreiz-verursachen-zr-93220717.html. Abgerufen am 23.02.2026.

BfR (2018): Fragen und Antworten zu Dioxinen und PCB in Lebensmitteln. Verfügbar unter: https://www.bfr.bund.de/fragen-und-antworten/thema/fragen-und-antworten-zu-dioxinen-und-pcb-in-lebensmitteln/. Abgerufen am 23.02.2026.

FiBL (2017): Rückstände von Biphenyl bei Kräutern – Literaturstudie zu Vorkommen, Ursachen und Vermeidung. Verfügbar unter: https://orgprints.org/34121/1/speiser-bickel-2017-Literaturrecherche-Biphenyl-2017-01-20.pdf. Abgerufen am 23.02.2026.

Lebensmittellexikon (o. J.): Biphenyl, Phenylbenzol, Diphenyl, E 230. Verfügbar unter: https://www.lebensmittellexikon.de/b0001150.php#0. Abgerufen am 23.02.2026.

Verbraucherzentrale (2025): Frisch gepresste Säfte – Belastung durch Pestizide? Verfügbar unter: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/gesund-ernaehren/frisch-gepresste-saefte-belastung-durch-pestizide-38622. Abgerufen am 23.02.2026.

VerbraucherService Bayern (2018): Schalenbehandlung von Zitrusfrüchten ein Problem? Verfügbar unter: https://www.verbraucherservice-bayern.de/themen/ernaehrung/schalenbehandlung-von-zitrusfruechten-ein-problem. Abgerufen am 23.02.2026.

help.ORF (2016): „Pestizidcocktail“ auf Mandarinen und Orangen. Verfügbar unter https://help.orf.at/v3/stories/2811905/. Abgerufen am 23.02.2026.

Pubmed (2008): The effects of food protector biphenyl on sister chromatid exchange, chromosome aberrations, and micronucleus in human lymphocytes. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18330787/. Abgerufen am 23.02.2026.

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Mit akademischen Hintergrund und umfangreicher Erfahrung im wissenschaftlichen Arbeiten bringe ich eine analytische Denkweise und eine Leidenschaft für gründliche Recherche mit. Mein Ziel ist es, präzise und verständliche Informationen über Zusatzstoffe und ihre Auswirkungen auf unsere Ernährung bereitzustellen. So möchte ich dazu beitragen, dass unsere Leser fundierte Entscheidungen treffen und ein tieferes Verständnis für die Inhaltsstoffe ihrer Lebensmittel entwickeln.

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