Knallgelbe Gummibärchen, leuchtend rote Getränke oder intensiv gefärbte Süßigkeiten wirken auf den ersten Blick appetitlich (vgl. vzbv, 2022). Doch hinter diesen auffälligen Farben steckt oft mehr als nur optische Aufwertung. Häufig kommen sogenannte Azofarbstoffe zum Einsatz, künstliche Farbstoffe, die seit Jahren kontrovers diskutiert werden.
Während sie früher ganz selbstverständlich in vielen Lebensmitteln enthalten waren, stehen sie heute zunehmend im Fokus von Wissenschaft, Behörden und Verbrauchern. Warum das so ist, welche Risiken diskutiert werden und wie sich ihr Einsatz verändert hat, schauen wir uns in diesem Artikel genauer an.
Was sind Azofarbstoffe?
Azofarbstoffe sind künstlich hergestellte Farbstoffe, die vor allem für intensive Gelb-, Orange- und Rottöne eingesetzt werden. Sie basieren auf sogenannten Azo-Verbindungen, einer chemischen Struktur, die besonders stabile und kräftige Farben ermöglicht.
Für die Lebensmittelindustrie waren sie lange Zeit ideal. Sie sind günstig, vielseitig einsetzbar und behalten ihre Farbe auch unter schwierigen Bedingungen, etwa bei Hitze oder Lichteinwirkung (vgl. Verbraucherzentrale Hamburg, o. J.).

Diese Azofarbstoffe sind in der EU zugelassen
Auch heute sind noch mehrere Azofarbstoffe in der EU erlaubt. Dazu gehören:
- E 102 Tartrazin
- E 110 Gelborange S
- E 122 Azorubin
- E 123 Amaranth
- E 124 Cochenillerot A
- E 129 Allurarot AC
- E 151 Brillantschwarz BN
- E 155 Braun HT
- E 180 Litholrubin BK
Besonders häufig diskutiert werden die Farbstoffe E 102, E 110, E 122, E 124 und E 129. Für sie gelten zusätzliche Kennzeichnungspflichten.
Warum stehen Azofarbstoffe in der Kritik?
Die Kritik an Azofarbstoffen ist kein kurzfristiger Trend, sondern das Ergebnis jahrelanger Forschung und Beobachtung.
Auffälligkeiten im Verhalten von Kindern
Ein zentraler Auslöser der Diskussion war eine Studie aus Großbritannien. Sie zeigte einen möglichen Zusammenhang zwischen bestimmten Farbstoffen und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern (vgl. Foodwatch, 2010).
Die Folge war eine klare gesetzliche Reaktion. Produkte mit bestimmten Azofarbstoffen müssen seitdem einen Hinweis tragen, dass sie Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinflussen können (vgl. LGL, 2022).

Mögliche Risiken im Körper
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Abbau der Farbstoffe im Körper. Dabei können sogenannte aromatische Amine entstehen (vgl. LGL, 2022). Diese Stoffe stehen im Verdacht, das Erbgut zu verändern (vgl. Verbraucherzentrale Hamburg, o. J.). Genau hier liegt die Unsicherheit, die viele Experten kritisch sehen.
Reaktionen bei empfindlichen Menschen
Nicht jeder reagiert gleich. Einige Menschen berichten von Beschwerden nach dem Verzehr von Azofarbstoffen.
Dazu gehören unter anderem:
- Hautreaktionen
- Atemprobleme
- Unverträglichkeiten, die an Allergien erinnern (vgl. Verbraucherzentrale Hamburg, o. J.)
Besonders betroffen sind häufig Menschen mit bestehenden Empfindlichkeiten, etwa im Bereich der Atemwege.
In welchen Produkten wurden Azofarbstoffe eingesetzt?
Sie wurden lange Zeit gezielt dort eingesetzt, wo starke Farben gewünscht waren. Vor allem stark verarbeitete Produkte profitierten von ihrer intensiven Wirkung.
Typische Einsatzbereiche waren Süßigkeiten wie Fruchtgummis oder Bonbons, farbintensive Getränke, Desserts sowie Backwaren mit auffälliger Dekoration (Stiftung für Konsumentenschutz, 2010). Auch in manchen Fertigprodukten kamen sie zum Einsatz, wenn eine bestimmte Farbwirkung erzielt werden sollte.
Der Hintergrund ist klar. Farbe beeinflusst die Wahrnehmung eines Produkts erheblich und kann Kaufentscheidungen direkt steuern.

Werden Azofarbstoffe heute noch verwendet?
Azofarbstoffe sind weiterhin zugelassen, ihr Einsatz hat sich jedoch verändert. Heute gelten strengere Regeln, sowohl bei den erlaubten Mengen als auch bei der Kennzeichnung.
Gleichzeitig hat sich das Bewusstsein vieler Verbraucher gewandelt. Zutatenlisten werden genauer gelesen und kritisch hinterfragt. Das hat dazu geführt, dass Hersteller ihre Rezepturen überdenken und anpassen (vgl. Foodwatch, 2010).
Azofarbstoffe sind daher nicht verschwunden, aber deutlich weniger präsent als noch vor einigen Jahren.
Wie hat die Lebensmittelindustrie auf die EFSA reagiert?
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat die Farbstoffe umfassend geprüft und mehrfach neu bewertet. Dabei wurden Grenzwerte angepasst und klare Vorgaben für die Kennzeichnung eingeführt.
Diese Bewertungen haben spürbare Veränderungen ausgelöst. Viele Hersteller haben ihre Produkte überarbeitet und setzen heute häufiger auf alternative Farbstoffe, etwa aus pflanzlichen Quellen (vgl. Foodwatch, 2010). Parallel dazu hat sich ein Trend zu einfacheren Zutatenlisten entwickelt, bei denen weniger Zusatzstoffe eingesetzt werden.
Auch das Thema Vertrauen spielt eine größere Rolle. Transparente Kommunikation und nachvollziehbare Zutaten gewinnen zunehmend an Bedeutung, vor allem in sensiblen Produktkategorien wie Lebensmitteln für Kinder.
Fazit: Weniger Farbe, mehr Bewusstsein
Azofarbstoffe zeigen deutlich, wie sich der Umgang mit Zusatzstoffen verändert hat. Was früher selbstverständlich war, wird heute differenziert betrachtet.
Wissenschaftliche Erkenntnisse, regulatorische Maßnahmen und ein verändertes Konsumverhalten wirken zusammen und führen zu einem klaren Trend. Weniger künstliche Farbgebung, mehr Fokus auf nachvollziehbare Zutaten.
Für Verbraucher bedeutet das vor allem eines. Mehr Orientierung und die Möglichkeit, bewusste Entscheidungen zu treffen.
FAQs:
Was sind Azofarbstoffe?
Azofarbstoffe sind künstlich hergestellte Farbstoffe, die vor allem für kräftige Gelb-, Orange- und Rottöne in Lebensmitteln eingesetzt werden.
Wie werden Azofarbstoffe hergestellt?
Azofarbstoffe werden chemisch aus aromatischen Verbindungen hergestellt. Dabei werden sogenannte Azo-Bindungen gebildet, die für die intensive Farbwirkung verantwortlich sind.
Warum sind Azofarbstoffe farbig?
Azofarbstoffe sind farbig, weil ihre chemische Struktur Licht in bestimmten Wellenlängen absorbiert und reflektiert. Die sogenannte Azo-Bindung sorgt dafür, dass intensive Farben wie Gelb, Orange oder Rot entstehen.
Was bewirken Azofarbstoffe?
Azofarbstoffe verleihen Lebensmitteln intensive und auffällige Farben, die Produkte optisch ansprechender machen. Sie haben keinen Einfluss auf Geschmack oder Nährwert, sondern dienen ausschließlich der Farbgebung.
Wie erkennt man Azofarbstoffe?
Azofarbstoffe erkennt man in der Zutatenliste an ihren E-Nummern, zum Beispiel E 102, E 110 oder E 129. Zusätzlich müssen einige von ihnen mit einem Hinweis gekennzeichnet sein, dass sie Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinflussen können.
Wo findet man Azofarbstoffe?
Azofarbstoffe finden sich vor allem in stark verarbeiteten Lebensmitteln wie Süßigkeiten, Limonaden, Desserts oder bunten Backwaren. Sie werden überall dort eingesetzt, wo eine besonders intensive Farbe gewünscht ist.
Quellen:
Verbraucherzentrale Hamburg (o. J.): Wie gefährlich sind Azofarbstoffe? Verfügbar unter https://www.vzhh.de/themen/lebensmittel-ernaehrung/zusatzstoffe-e-nummern/wie-gefaehrlich-sind-azofarbstoffe. Abgerufen am 02.04.2026.
LGL Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (2022): Azofarbstoffe. Verfügbar unter: https://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/warengruppen/wc_57_zusatzstoffe/et_azofarbstoffe.htm. Abgerufen am 02.04.2026.
Foodwatch (2010): Warnhinweis für Azofarbstoffe. Verfügbar unter: https://www.foodwatch.org/de/warnhinweis-fuer-azofarbstoffe. Abgerufen am 02.04.2026.
Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände – Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) (2022): Azofarbstoffe – Warnhinweis für bunte Lebensmittel. Verfügbar unter: https://www.lebensmittelklarheit.de/informationen/azofarbstoffe-warnhinweis-fuer-bunte-lebensmittel. Abgerufen am 02.04.2026.
Stiftung für Konsumentenschutz (2010): Azofarbstoffe: Süssigkeiten mit Nebengeschmack. Verfügbar unter: https://www.konsumentenschutz.ch/wp-content/uploads/2013/11/10_07_ganzetabelle_azofarbstoffe_tabelle.pdf. Abgerufen am 02.04.2026.
Bildquellen
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