Gelborange S, auch als E 110 bekannt, ist ein synthetischer Farbstoff, der Lebensmitteln eine kräftige orangegelbe Farbe verleiht. Er wird vor allem in Produkten eingesetzt, die optisch besonders auffallen sollen, etwa in Limonaden, Süßwaren oder Desserts (vgl. Verbraucherzentrale Hamburg, o. J.).

Anders als natürliche Farbstoffe wird E 110 vollständig chemisch hergestellt (vgl. Lebensmittellexikon, o. J.). Gleichzeitig ist sein Einsatz nicht unumstritten, da er mit bestimmten gesundheitlichen Effekten in Verbindung gebracht wird und deshalb in der EU gekennzeichnet werden muss.

Was genau hinter dem Farbstoff steckt, wo er eingesetzt wird und wie er bewertet wird, erfährst du im Folgenden.

Wo wird E 110 eingesetzt?

Gelborange S wird vor allem dann verwendet, wenn ein intensives, gleichmäßiges Gelb-Orange erzielt werden soll. Typische Einsatzgebiete sind süße Getränke, Süßwaren wie Gummibärchen, Marzipan und Bonbons, Puddings, Kekse, Marmeladen, Fruchtkonserven und Fischprodukte wie veganer Lachsersatz (vgl. Dr. Watson, o. J.; Lebensmittellexikon, o. J.).

Gelborange S

Wie wird Gelborange S hergestellt?

Gelborange S wird vollständig synthetisch hergestellt. Ausgangsstoffe sind in der Regel aromatische Kohlenwasserstoffe aus Erdöl (vgl. Dr. Watson, o. J.). Durch chemische Reaktionen entsteht die typische Azogruppe, die dem Farbstoff seine intensive Orangefärbung verleiht (vgl. Verbraucherzentrale Hamburg, o. J.).

Historischer Hintergrund

Gelborange S wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt. Ursprünglich lag der Fokus auf der Textil- und Kunststoffindustrie, da synthetische Azofarbstoffe kräftige, stabile Farben liefern konnten, die günstiger und haltbarer waren als viele natürliche Alternativen. Mit dem Boom der Lebensmittelindustrie in den 1950er- und 1960er-Jahren fanden immer mehr Farbstoffe, darunter auch E 110, ihren Weg in Getränke, Süßwaren und Fertigprodukte.

Ein zentraler Auslöser für die Diskussion über den Zusatzstoff war die sogenannte Southampton-Studie aus dem Jahr 2007. In dieser Untersuchung wurde geprüft, ob bestimmte Farbstoffe, darunter auch E 110, das Verhalten von Kindern beeinflussen können (Vgl. Pharmazeutische Zeitung, 2010). Das Ergebnis: Es zeigten sich Hinweise darauf, dass einige Kinder nach dem Verzehr von Mischungen aus bestimmten Farbstoffen und Konservierungsstoffen unruhiger waren und Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit hatten (Vgl. Pharmazeutische Zeitung, 2010).

Als Folge wurde in der EU eine Kennzeichnungspflicht eingeführt. Produkte mit Gelborange S müssen seitdem den Hinweis tragen: „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen.“

Daraufhin reduzierten viele Hersteller in Europa den Einsatz von E 110.

Gelborange S

Ist Gelborange S gesundheitlich unbedenklich?

Zugelassen, aber mit Einschränkung

In der Europäischen Union ist E 110 für bestimmte Lebensmittel zugelassen, allerdings nicht unbegrenzt. Es gelten Höchstgrenzen, je nach Produktgruppe. In Bio-Produkten ist E 110 nicht erlaubt, da er rein synthetisch hergestellt wird.

Gesundheitliche Risiken

  • Hyperaktivität bei Kindern: E 110 gehört zu den sogenannten „Southampton-Farbstoffen“, die in einer britischen Studie mit Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen in Verbindung gebracht wurden. Daher müssen Produkte in der EU, die E 110 enthalten, einen Warnhinweis tragen:
    „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen.“ (Vgl. Pharmazeutische Zeitung, 2010)
  • Allergien und Unverträglichkeiten: Einige Menschen reagieren empfindlich auf Azofarbstoffe mit Symptomen wie Hautausschlag, Nesselsucht oder Asthmaanfällen (vgl. Dr. Watson, o. J.). Besonders Asthmatiker und Aspirin-Überempfindliche gelten als Risikogruppe.
  • Krebsverdacht: Ältere Tierversuche warfen die Frage auf, ob Azofarbstoffe krebserregend sein könnten. Für E 110 konnte dies nicht abschließend bestätigt werden, dennoch bleibt der Stoff umstritten (vgl. UGB, o. J.).
  • Abbau im Darm: Im Körper können Azofarbstoffe durch Darmbakterien gespalten werden, dabei entstehen möglicherweise aromatische Amine, von denen einige als potenziell gesundheitsschädlich gelten (vgl. Dr. Watson, o. J.).

E 110 und ADI-Wert

Die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) hat einen ADI-Wert (Acceptable Daily Intake) von 4 mg pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt (vgl EFSA (2014). Dieser Wert beschreibt die tägliche Aufnahmemenge, die als unbedenklich gilt.

Bei normalem Konsum ist eine Überschreitung dieses Wertes unwahrscheinlich, doch bei Kindern, die häufig bunte Süßigkeiten und Limonaden konsumieren, kann es in Einzelfällen durchaus passieren.

Alternativen zu E 110

In der Lebensmittelindustrie kommen zunehmend natürliche Farbstoffe zum Einsatz, zum Beispiel:

  • Carotin (E 160a): aus Karotten oder Algen
  • Paprikaextrakt (E 160c)
  • Kurkumin (E 100): aus der Gelbwurzel
  • Saflor oder Beta-Carotin

Diese gelten als besser verträglich, haben jedoch oft eine geringere Farbstabilität oder sind teurer in der Herstellung.

Fazit: Bunt, aber nicht ohne Risiko

Gelborange S ist ein leistungsfähiger Farbstoff mit breitem Einsatzspektrum, aber auch mit gesundheitlichen Fragezeichen. Vor allem Eltern sollten bei stark gefärbten Produkten genau hinschauen. Die gute Nachricht: Viele Hersteller verzichten inzwischen freiwillig auf E 110 und setzen auf natürliche Alternativen.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, achtet auf eine kurze Zutatenliste, meidet stark verarbeitete Produkte und bevorzugt Lebensmittel ohne künstliche Farbstoffe, besonders bei Kinderprodukten.

FAQs:

Was ist der Farbstoff Gelborange S?

Gelborange S ist ein synthetischer Azofarbstoff, der Lebensmitteln eine kräftige orangegelbe Farbe verleiht und in der Zutatenliste als E 110 angegeben wird. Produkte mit diesem Farbstoff müssen in der EU einen Warnhinweis tragen, dass er Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen kann (Vgl. Pharmazeutische Zeitung, 2010).

Wie wird Gelborange S hergestellt?

Gelborange S wird künstlich im Labor hergestellt, meist aus Stoffen, die aus Erdöl gewonnen werden. Durch mehrere chemische Schritte entsteht daraus der Farbstoff, der später Lebensmitteln die orangegelbe Farbe gibt.

Wo ist Gelborange S enthalten?

Gelborange S ist vor allem in stark gefärbten Lebensmitteln enthalten, zum Beispiel in Limonaden, Süßigkeiten, Desserts, Snacks und Fertigprodukten.

Welcher Lebensmittelfarbstoff ist Gelborange S?

Gelborange S ist ein synthetischer Azofarbstoff und wird in der Zutatenliste als E 110 bezeichnet. Er gehört zu den künstlich hergestellten Lebensmittelfarbstoffen.

Quellen

Verbraucherzentrale Hamburg (o. J.): Farbstoffe in Lebensmitteln – das wird uns zu bunt!. Verfügbar unter: https://www.vzhh.de/themen/lebensmittel-ernaehrung/zusatzstoffe-e-nummern/farbstoffe-lebensmitteln-das-wird-uns-zu-bunt. Abgerufen am 10.04.2026.

Pharmazeutische Zeitung (2010): ADHS: Neue Regeln für Farbstoff-Kennzeichnung. Verfügbar unter https://www.pharmazeutische-zeitung.de/2010-07/adhs-neue-regeln-fuer-farbstoff-kennzeichnung/. Abgerufen am 10.04.2026.

UGB Verein für Unabhängige Gesundheitsberatung (o. J.): Azofarbstoffe in Lebensmitteln. Verfügbar unter https://www.ugb.de/lebensmittel-im-test/azofarbstoffe-in-lebensmitteln/. Abgerufen am 10.04.2026.

Dr. Watson (o. J.): E110 Gelborange-S. Verfügbar unter https://food-detektiv.de/zusatzstoffe/?enummer=Gelborange-S. Abgerufen am 10.04.2026.

Lebensmittellexikon (o. J.): Gelborange S, Gelborange RGL, E 110, Sunsetgelb FCF. Verfügbar unter https://www.lebensmittellexikon.de/g0002790.php. Abgerufen am 10.04.2026.

EFSA (2014): Gelborange S: EFSA legt ADI fest. Verfügbar unter https://www.efsa.europa.eu/de/press/news/140715. Abgerufen am 10.04.2026.

Bildquellen

Titelbild: Pixabay, ulleo, #3485430
Bonbons: Pixabay, Daria-Yakovleva, #1952997
Orange kegelförmige Süßigkeiten: Pixabay, sambeawesome, #1726481
Gummibärchen mit Zucker: Pixabay, tquynh1112, #320694

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Mit akademischen Hintergrund und umfangreicher Erfahrung im wissenschaftlichen Arbeiten bringe ich eine analytische Denkweise und eine Leidenschaft für gründliche Recherche mit. Mein Ziel ist es, präzise und verständliche Informationen über Zusatzstoffe und ihre Auswirkungen auf unsere Ernährung bereitzustellen. So möchte ich dazu beitragen, dass unsere Leser fundierte Entscheidungen treffen und ein tieferes Verständnis für die Inhaltsstoffe ihrer Lebensmittel entwickeln.

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